SaaS versus on premise – wie sollte Software am besten bereitgestellt werden?

Sollte man als Unternehmen Software als Dienstleistung über eine Cloud beziehen oder lieber selbst besitzen? Für Unternehmen, die strategische Entscheidungen zur IT-Infrastruktur treffen müssen, ist die Frage nach dem richtigen Bereitstellungsmodell mittlerweile entscheidend. Gerade im Zuge der digitalen Transformation und unter dem zunehmenden Druck, flexibel, sicher und ressourcenschonend zu arbeiten, gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. Doch was bedeutet SaaS und On-Premise? Wo sind die Unterschiede? Welche Vor- und Nachteile bringen die beiden Modelle mit sich? Und welche Rolle spielt die Art der Bereitstellung im Kontext von Enterprise Architecture Management? Alle wichtigen Hintergrundinfos finden Sie in den folgenden Absätzen.

SaaS – was bedeutet das?

SaaS steht für „Software as a Service“. Es handelt sich um ein Bereitstellungsmodell, bei dem Software nicht lokal betrieben, sondern über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Unternehmen greifen also per Browser oder Anwendung auf die Software zu, die in den Rechenzentren des Anbieters läuft. Die Nutzung erfolgt in der Regel gegen ein monatliches oder jährliches Entgelt, oft in Form eines Abonnements.

Anders als bei klassischen Lizenzmodellen liegt bei SaaS der gesamte Betrieb – also Hosting, Wartung, Updates, Sicherheit und Verfügbarkeit – in der Verantwortung des Anbieters. Als Kunde nutzen Sie lediglich die Software wie einen Dienst. Typische Beispiele für bekannte SaaS-Lösungen sind z. B. Microsoft 365 oder Google Workspace.

Dieses Modell hat sich in den vergangenen Jahren massiv verbreitet und ist die gängigste Lösung bei der Softwarenutzung. Circa 67 % der mittelständischen Unternehmen in Deutschland nutzen derzeit cloudbasierte Anwendungen – die Tendenz ist weiter steigend.

Vor- und Nachteile von SaaS

Gerade, wenn Sie vor der Entscheidung stehen, welche Art der Softwarebereitstellung Sie für Ihr Unternehmen nutzen wollen, ist es wichtig, alle Vor- und Nachteile zu kennen:

Vorteile von SaaS

SaaS-Lösungen ermöglichen Unternehmen einen sehr schnellen Einstieg in neue Softwareprojekte. Die Implementierung erfolgt meist binnen weniger Tage, ohne dass umfangreiche Installationen oder eine eigene Serverstruktur notwendig wären. Gerade für mittelständische Betriebe, die keine eigene IT-Abteilung oder große Serverräume betreiben, stellt dies einen erheblichen Vorteil dar, da sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, ohne sich mit technischer Komplexität auseinandersetzen zu müssen.

Ein weiterer Pluspunkt liegt in der finanziellen Planbarkeit. Statt hoher Anfangsinvestitionen für Lizenzen und Infrastruktur fallen monatliche oder jährliche Nutzungsgebühren an, die klar kalkulierbar sind. Auch Updates, Wartung und Sicherheitsvorkehrungen werden durch den Anbieter übernommen, was die Komplexität auf Kundenseite weiter reduziert. Ein zusätzlicher Vorteil: SaaS-Lösungen lassen sich flexibel skalieren. Unternehmen können je nach Bedarf Benutzerkonten hinzufügen oder reduzieren, ohne neue Hardware anzuschaffen oder die Systemlandschaft umstellen zu müssen.

Nachteile von SaaS

Allerdings bringt SaaS auch Herausforderungen mit sich. Ein zentrales Thema ist die Datenhoheit und -sicherheit. Unternehmensdaten werden auf fremden Servern gespeichert – oft in international verteilten Rechenzentren. Das wirft Fragen auf und kann auch auf Kunden abschreckend wirken: Wer hat Zugriff auf die Daten? Wie lässt sich sicherstellen, dass Datenschutzvorgaben wie die DSGVO eingehalten werden? Selbst wenn Anbieter entsprechende Zertifizierungen vorweisen, bleibt bei SaaS immer ein Restrisiko, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt.

Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Anbieter. Ändert dieser seine Geschäftsbedingungen, streicht Funktionen oder stellt den Dienst ein, kann das unmittelbare Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse haben. Ebenso ist die Anpassbarkeit von SaaS-Lösungen häufig eingeschränkt. Während Standardprozesse gut abgebildet werden, stößt man mit individuellen Anforderungen schnell an Grenzen. Integrationen in bestehende Systemlandschaften oder besondere Customizing-Wünsche sind oft nur mit erheblichem Aufwand möglich.

On-Premise – was ist das?

Das On-Premise-Modell beschreibt die zweite klassische Art der Softwarebereitstellung. Dabei wird die Software lokal im Unternehmen betrieben – entweder auf eigenen Servern, im hauseigenen Rechenzentrum oder in einer privaten Cloud-Umgebung. Unternehmen erwerben Lizenzen und übernehmen den Betrieb, die Wartung, die Absicherung und die Weiterentwicklung der Software in Eigenverantwortung oder mithilfe externer IT-Dienstleister.

Dieses Modell war jahrzehntelang der Standard in der Unternehmens-IT und ist in vielen Branchen auch heute noch fest etabliert. Besonders in regulierten Bereichen wie Banken, Versicherungen oder der öffentlichen Verwaltung setzen Unternehmen weiterhin auf On-Premise-Lösungen. Gründe dafür sind unter anderem ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis, hohe Anforderungen an individuelle Anpassungen oder umfassende gesetzliche Vorgaben zur Datenhaltung.

Vor- und Nachteile von On-Premise

Auch On-Premise hat verschiedene Vor- und Nachteile.

Vorteile von On-Premise

Der größte Vorteil liegt zweifellos in der vollständigen Kontrolle über die eigene IT. Als Unternehmen entscheiden Sie selbst, wo Ihre Daten gespeichert werden, wer darauf Zugriff hat und wie die Sicherheitsstandards umgesetzt werden. Das ist vor allem dann entscheidend, wenn sensible oder besonders schützenswerte Daten verarbeitet werden – etwa in medizinischen, juristischen oder forschungsnahen Kontexten.

Darüber hinaus erlaubt On-Premise ein hohes Maß an Flexibilität in der Gestaltung und Integration der Software. Anpassungen, Schnittstellen zu anderen Systemen, tiefgreifende Automatisierungen etc. lassen sich unternehmensspezifisch umsetzen. Auch strategisch bietet On-Premise Vorteile: Unternehmen, die langfristig planen, schätzen die Unabhängigkeit von Dritten. Die Systeme bleiben verfügbar, auch wenn Anbieter verschwinden oder Technologien obsolet werden.

Nachteile von On-Premise

Allerdings geht diese Freiheit mit erheblichen Pflichten einher. Der Aufbau und Betrieb einer On-Premise-Lösung erfordern hohe Anfangsinvestitionen: Hardware muss angeschafft, Lizenzen müssen gekauft und Mitarbeitende müssen geschult werden. Auch die laufende Wartung, Sicherheitsupdates, Datenschutzmaßnahmen und Support erfordern eigene Ressourcen und Know-how. Wenn Sie hier sparen oder personell unterbesetzt sind, riskieren Sie Sicherheitslücken.

Auch bei der Skalierbarkeit stoßen On-Premise-Modelle schneller an ihre Grenzen. Neue Anforderungen lassen sich nicht ad hoc umsetzen, sondern müssen langfristig geplant werden. Zusätzliche Nutzer bedeuten oft Investitionen in neue Server oder Netzwerkkapazitäten – und nicht selten auch längere Projektlaufzeiten.

Was ist besser – SaaS oder On-Premise?

Die Antwort auf die Frage, welches Bereitstellungsmodell das „bessere“ ist, hängt immer vom Anwendungskontext ab. Dabei sind vor allem die strategischen Ziele und die organisatorischen Rahmenbedingungen entscheidend.

SaaS eignet sich insbesondere für Unternehmen, die schlank aufgestellt sind, rasch skalieren wollen oder keinen eigenen IT-Betrieb unterhalten. Die geringe Einstiegshürde, die gute Planbarkeit der Kosten und der Wegfall von Wartungsaufwand machen SaaS zu einer besonders unkomplizierten Wahl, insbesondere für standardisierte Anwendungen, Kollaborationsplattformen oder CRM-Systeme.

Demgegenüber sprechen für On-Premise die vollständige Kontrolle über Daten und Prozesse, die Möglichkeit zur tiefen Integration in bestehende IT-Landschaften sowie eine langfristige Unabhängigkeit von Anbieterentscheidungen. Unternehmen, die sehr spezifische Anforderungen haben, einem hohen regulatorischen Druck unterliegen oder hohe Integrationsdichte benötigen, profitieren häufig von einer solchen Lösung.

In der Praxis setzt sich zunehmend auch ein hybrides Modell durch: zentrale Systeme wie ERP oder sicherheitsrelevante Applikationen verbleiben On-Premise, während ergänzende Tools – etwa für Kommunikation, HR oder Datenanalyse – als SaaS bezogen werden. Entscheidend ist dabei, dass alle Lösungen intelligent miteinander vernetzt werden, damit durch die Hybridlösung keine neuen Lücken und Sicherheitsrisiken entstehen.

Softwarebereitstellung und EAM

Die Art der Softwarebereitstellung beeinflusst weit mehr als nur technische Details. Sie wirkt sich direkt auf die Gesamtarchitektur, auf Prozesse, Rollen und IT-Governance aus. Genau hier setzt Enterprise Architecture Management (EAM) an, denn es schafft Transparenz über vorhandene Systeme, ihre Schnittstellen und ihre Abhängigkeiten.

Ein gutes EAM bildet die Ist-Landschaft nicht nur ab, sondern macht sie steuerbar. Es zeigt, welche Systeme lokal betrieben und welche aus der Cloud bezogen werden, welche Risiken mit welcher Architekturvariante einhergehen und welche Migrationspfade sich daraus ergeben. Das ist besonders für Unternehmen relevant, die sich aktuell in Transformationsprozessen befinden oder den Wechsel von On-Premise zu SaaS – oder umgekehrt – planen.

EAM hilft auch dabei, technische Redundanzen zu vermeiden, Investitionsentscheidungen fundiert zu treffen und technische Schulden frühzeitig zu erkennen. Gerade für mittelständische Unternehmen, die oft mit historisch gewachsenen Strukturen arbeiten, bietet EAM eine wichtige Grundlage, um ihre IT zukunftsfähig aufzustellen. Bei der Planung der Softwarebereitstellung ist ein funktionierendes EAM deshalb nicht wegzudenken.

SaaS und On-Premise im Mittelstand

Im Mittelstand sind beide Lösungen verbreitet. Während einige Unternehmen bereits konsequent auf cloudbasierte Architekturen setzen, sind andere noch stark in On-Premise-Modellen verwurzelt. Die Gründe dafür sind beispielsweise fehlende Ressourcen für die Migration, Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes oder auch schlicht der Wunsch, etablierte Systeme nicht ohne Not zu verändern.

Gleichzeitig nutzen 83 % der deutschen Unternehmen inzwischen Cloud-Dienste und auch im Mittelstand steigt die Akzeptanz. Dennoch bleibt die Umsetzung häufig fragmentiert. Viele Unternehmen starten mit einzelnen Anwendungen und verlieren dabei das große Ganze aus dem Blick – was mittelfristig zu Schnittstellenproblemen, Sicherheitsrisiken und ineffizienten Strukturen führt.

Auch hier zeigt sich die Notwendigkeit eines übergreifenden EAM. Nur, wer einen Überblick über alle Anwendungen hat, kann Potenziale erkennen, Migrationen strategisch planen und kostenintensive Doppelstrukturen vermeiden.

Unterschiede bei Projektumsetzung und Zeitrahmen

Ein Aspekt, der in vielen Vergleichen von SaaS und On-Premise unterschätzt wird, ist die konkrete Umsetzungsgeschwindigkeit. Während SaaS-Lösungen häufig innerhalb weniger Tage einsatzbereit sind, erfordern On-Premise-Projekte oft monatelange Vorbereitungen. Infrastruktur muss beschafft, Netzwerke müssen angepasst und Sicherheitskonzepte müssen definiert werden. Die Implementierung verläuft in der Regel in mehreren Phasen.

SaaS-Projekte hingegen starten meist mit einem Standard-Setup, das unmittelbar genutzt und anschließend schrittweise angepasst werden kann. Die Time-to-Value – also die Zeitspanne vom Projektstart bis zum spürbaren Mehrwert – ist deutlich kürzer. Gerade im Mittelstand, wo IT-Projekte oft parallel zum Tagesgeschäft laufen, ist dieser Faktor nicht zu unterschätzen.

Zudem unterscheiden sich auch die Anforderungen an die Projektorganisation. On-Premise erfordert dedizierte Projektteams, Abstimmungen mit IT, Betrieb, Datenschutz, Einkauf und Management. Bei SaaS entfällt ein Großteil dieser internen Komplexität, was Projekte überschaubarer macht, aber auch zu weniger interner Verankerung führen kann. Diese Unterschiede sollten bei der Projektplanung bewusst berücksichtigt werden.

Fallstricke bei der Entscheidung zwischen SaaS und On-Premise

Ein häufiger Fehler bei der Entscheidung über die Softwarebereitstellung ist es, sich zu früh festzulegen. Dabei sollte die Entscheidung für oder gegen ein Bereitstellungsmodell nie isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenspiel mit den Unternehmenszielen, der IT-Strategie und den regulatorischen Rahmenbedingungen stehen.

Besonders problematisch sind unstrukturierte Mischmodelle, in denen einzelne Teams SaaS-Lösungen einführen, ohne dass es ein zentrales Architekturkonzept gibt. Hier drohen Schatten-IT, Dateninkonsistenzen und eine fehlende Übersicht über die eigene IT-Landschaft.

Auch Sicherheitsaspekte werden häufig unterschätzt. Während SaaS-Anbieter meist sehr hohe Standards bieten, liegt die Verantwortung für Datenklassifizierung, Rechtevergabe und Compliance trotzdem beim Kunden. Umgekehrt setzen viele Unternehmen On-Premise ein, ohne über ausreichende Ressourcen für einen sicheren Betrieb zu verfügen. Das ist ein Risiko, das in Zeiten steigender Cyberbedrohungen nicht zu unterschätzen ist und zu massiven Problemen führen kann.

Weitere Entscheidungskriterien im Überblick

Zusätzlich zu den bereits genannten Aspekten gibt es weitere Kriterien, die Unternehmen bei der Wahl zwischen SaaS und On-Premise berücksichtigen sollten:

Standort: Wichtig ist unter anderem der geografische Standort der Rechenzentren. Je nach Branche und regulatorischem Umfeld kann es Vorschrift sein, dass Daten ausschließlich innerhalb bestimmter Regionen gespeichert werden dürfen. SaaS-Anbieter mit Rechenzentren außerhalb der EU können hier problematisch sein oder zusätzliche Maßnahmen erfordern, etwa Verschlüsselung oder spezielle Vertragsklauseln.

Innovationen: Auch die Innovationsgeschwindigkeit ist ein Aspekt, der häufig übersehen wird. SaaS-Anbieter bringen regelmäßig neue Features und Optimierungen in ihre Produkte ein – und das automatisch, ohne zusätzlichen Aufwand für den Kunden. Bei On-Premise-Lösungen hingegen liegt es am Unternehmen selbst, neue Versionen zu installieren, Funktionen zu testen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Das bedeutet auch: Wer auf On-Premise setzt, muss bewusst Ressourcen für kontinuierliche Verbesserung und Innovation bereitstellen.

Lizenzen: Ein weiterer Punkt ist das Lizenzmanagement. SaaS-Modelle bieten in der Regel eine transparente, nutzerbasierte Abrechnung. On-Premise-Lösungen hingegen setzen oft auf komplexe Lizenzstrukturen, die nicht nur schwer zu verwalten, sondern auch kostspielig sein können – insbesondere bei wachsendem Nutzerkreis oder sich ändernden Nutzungsmodellen.

Exit und Wechsel: Zuletzt spielt auch die Frage nach der Exit-Strategie eine Rolle. Wie einfach lässt sich ein Anbieterwechsel realisieren? Können Daten exportiert werden – und in welchem Format? Wie lassen sich Abhängigkeiten reduzieren? Hier muss von Anfang an mitgedacht werden, damit Entscheidungen nicht zu langfristigen Lock-in-Effekten führen.

Die Zukunft der Softwarebereitstellung

Doch welches Modell wird sich in Zukunft durchsetzen? Wahrscheinlich wird es weiterhin beide Modelle geben. Hybride Architekturen, modulare Plattformansätze, Cloud-Lösungen und der zunehmende Einsatz von APIs und Microservices führen zudem dazu, dass sich klassische Grenzen auflösen.

SaaS wird weiter wachsen und vor allem im Kontext standardisierter, global skalierbarer Anwendungen immer mehr an Beliebtheit gewinnen. On-Premise wird dort bestehen bleiben, wo Kontrollfähigkeit und sehr spezifische Anforderungen dominieren.

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