Post Merger Integration: Definition, Grundlagen & Tipps

Neue Märkte erschließen, Kosten senken, Innovationskraft erhöhen – es gibt viele Gründe, aus denen sich Unternehmen dazu entscheiden, sich zusammenzuschließen. Doch dieser Prozess ist nicht ohne. Gerade wenn es um die Post Merger Integration geht, kann es knifflig werden. Dieser Artikel erklärt, worum es sich bei der Post Merger Integration überhaupt handelt und wie der PMI-Prozess zum Erfolg wird.

Was ist eine Post Merger Integration?

Unter einer Post Merger Integration – kurz PMI – versteht man die Zusammenführung von mindestens zwei Unternehmen mitsamt all ihrer Vermögenswerte, Mitarbeiter, Ressourcen und Aufgaben. Im Zuge einer Post Merger Integration wird also aus vormalig unabhängigen Unternehmen ein Zusammenschluss, der das Ziel hat, einen maßgeblichen Mehrwert zu schaffen.

Wörtlich bedeutet „Post Merger Integration“ so viel wie „Integration nach einer Fusion“. Wenn zwei oder mehr Unternehmen fusioniert sind, also rechtlich zusammengelegt wurden, folgt die Post Merger Integration. Es werden Strukturen und Prozesse vereinheitlicht und Geschäftsbereiche organisatorisch zusammengelegt, damit die Unternehmen nicht nur rechtlich eine Einheit sind, sondern auch als solches fungieren können.

Hintergründe und Bedeutung der Post Merger Integration

Die Post Merger Phase ist für den Zusammenschluss von Unternehmen von großer Bedeutung. Ohne sie kann die Transaktion kaum gelingen – das bestätigen viele Experten. Tatsächlich sind die meisten Ursachen für das Scheitern einer Fusion in dieser Phase zu finden. Das macht die Post Merger Integration so wichtig und bedeutungsvoll.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine Ursache liegt darin, dass verschiedene Unternehmenskulturen oftmals schwer miteinander zu vereinen sind – schließlich soll anschließend ein harmonisches Miteinander möglich sein.

Vor allem das Rechnungs- und Berichtswesen muss möglichst schnell vereinheitlicht werden, da sonst einige gesetzliche Vorschriften nicht eingehalten werden können. Doch auch für die IT birgt die Post Merger Integration die ein oder andere Hürde. Es handelt sich um einen komplexen Prozess, der der Expertise von Enterprise Architekten bedarf. Es sind insbesondere folgende Anwendungsfälle, denen besonders große Beachtung geschenkt werden sollte:

  • Herstellung der Transparenz über die IT-Landschaft(en)
  • Durchführung einer Applikationsrationalisierung
  • Erstellung einer Ziel-Architektur
  • Erstellung einer Business Capability Map
  • Integration der Szenarien

Aus diesen Gründen gilt eine Post Merger Integration als komplexer und schwieriger Vorgang. Daher werden alle möglichen Risiken vorab ermittelt, um Strategien zur Hand zu haben, mit denen die Integration möglichst reibungslos abläuft.

PMI-Struktur: So sieht das Integrationsmanagement aus

Im Zuge der Post Merger Integration werden viele verschiedene Bereiche behandelt. Sie lassen sich in Konzeption, Durchführung und Controlling unterteilen. Gleichzeitig kann man sich an den 5 Hauptaufgaben orientieren, die im Zuge einer PMI zu erledigen sind:

  1. Integrationsprojekt aufsetzen: Um mit der Post Merger Integration zu starten, braucht es das geeignete Personal. Gleichzeitig muss ein Integrationsplan ausgearbeitet werden. Beides erfolgt im ersten Schritt.
  2. Führungsorganisation verzahnen: Die Kompetenzen werden zwischen Unternehmensleitung und operativen Unternehmenseinheiten verteilt. Zudem müssen auch die nachgelagerten Geschäftseinheiten organisiert werden.
  3. Führungsmannschaft besetzen: Die Geschäftsleitung und die nachgeordneten Ebenen werden ausgewählt.
  4. Mitarbeiterverhalten ausrichten: Damit sich Mitarbeiter richtig einfinden können, erfolgen Schulungen und Unterweisungen.
  5. Operative Geschäftsaktivitäten verzahnen: Das Ziel ist, interne Prozesse neu zu gestalten und zu harmonisieren. Die Interessen aller Seiten werden dabei berücksichtigt.

Post Merger Integration in der IT: In 4 Schritten zum Erfolg

Stehen Sie gerade vor dem PMI-Prozess und wissen gar nicht so recht, wo Sie beginnen sollen? Tatsächlich braucht es nur 4 Schritte, um diesen Prozess zum vollen Erfolg zu machen.

1. Schritt: Business Capability Map entwickeln

Zu Beginn Ihrer Post Merger Integration sollte eine individuelle Business Capability Map entwickelt werden. Was bedeutet das? Es muss ein Verständnis dafür entwickelt werden, was Ihr Unternehmen braucht, um seine Kernfunktionen auszuführen. Daher sollte diese Map maßgeschneidert auf Ihre Unternehmensstrategie zugeschnitten werden.

 Doch da wartet schon die nächste Frage: Wie gelingt das, da ja zwei (oder mehr) Unternehmen beschlossen haben, sich zusammenzuschließen? Erfahrungsgemäß sind ca. 80% von Business Capabilities industrieunabhängig. Jedes Unternehmen braucht doch z.B. Marketing, Vertrieb, Finanz- und Personalmanagement. Es reicht also aus, den Fokus auf die restlichen 20% zu setzen, um eine gemeinsame Business Capability Map für alle fusionierenden Unternehmen abzustimmen.

Das stellt den ersten und damit den wichtigsten Schritt des Post Merger Integration-Prozess dar – er ist die Grundlage. Denn nur so können eine gemeinsame Sprache und Grundlage für die Zusammenarbeit der Teams geschaffen werden. Mit der gemeinsamen Business Capability Map können mögliche Lücken und Redundanzen in der IT-Unterstützung identifiziert werden. Erst wenn die Map feststeht, sollten Sie daran gehen, sich mit den zugrundeliegenden Technologien befassen, um zukunftbestimmende Entscheidungen zu treffen.

2. Schritt: Volle Transparenz über die Applikationslandschaft schaffen

Nachdem die Business Capability Map abgestimmt wurde, können Sie alle Applikationen von fusionierenden Unternehmen mit den unterstützten Capabilities verknüpfen. .Dann können Sie sich einen Überblick über die Applikationslandschaft verschaffen. Das Ziel ist die Transparenz über den Ist-Zustand der IT-Unterstützung. In der Map werden nicht nur funktionale Gaps, Redundanzen und Synergiepotenziale, sondern auch die Qualität der funktionalen IT-Unterstützung sichtbar. Mit Kosten- und Nutzenmetriken entstehen Heat-Maps, mit welchen Sie potenzielle Handlungsbedarfe identifizieren können.

3. Schritt: Maßnahmen für Applikationen festlegen

Wenn Sie den vollen Überblick über die Applikationslandschaft haben, können Sie sich Gedanken darüber machen, wie sie in der Folge zusammengeführt werden soll. Die Ist-Architektur wird schrittweise zur Soll-Architektur umgewandelt.

Deshalb müssen nun fundierte Entscheidungen getroffen werden. Am besten durchlaufen die Projektteams in diesem Schritt des PMI-Prozesses mehrere Phasen. Auf diese Weise kann auf die wichtigsten Business Capabilities eingegangen werden.

Für diesen Schritt der Post Merger Integration lohnt sich das sogenannte TIME-Modell:

  • T für tolerieren
  • I für investieren
  • M für migrieren
  • E für eliminieren

Mit dem Modell können Sie für jede Applikation eine Entscheidung treffen. Tatsächlich lohnt sich die Vorgehensweise nicht nur für den PMI-Prozess. Sie können auch regelmäßig eine Einteilung vornehmen, um effektiv Geld im Unternehmen zu sparen. Schließlich kann sich der Bedarf an Applikationen jährlich ändern.

4. Schritt: Applikationsroadmap entwickeln

Im vierten und letzten Schritt geht es um die Durchführung. Die Post Merger Integration nimmt nun Gestalt an. Neben der Entwicklung einer Applikationsroadmap ist auch die Überwachung des Prozesses von großer Wichtigkeit. Ideal ist es, verschiedene Szenarien und Pläne zu testen, um die individuell beste Lösung zu finden. So wird die Post Merger Integration zum vollen Erfolg.

Mögliche Herausforderungen von Post Merger Integration

Unternehmen müssen im Bereich Mergers & Acquisitions gewisse Hürden überwinden. Vor allem die technische Integration stellt eine große Herausforderung dar. Sei es die fehlende Transparenz über technische Assets und Relationen mit Business Capabilities oder die Einhaltung von Sicherheitsstandards im Bereich Cyber Security. Auch unzureichende Schulungen der Mitarbeiter sowie ungeeignete Tools können Probleme bereiten.

Was her muss, ist eine fundierte Strategie. In vielen Fällen sind Unternehmen jedoch von der Menge an Prozessen, die die Fusion zweier oder mehrerer Firmen mit sich bringt, überwältigt. Schließlich ist es nicht nur die IT, um die es sich zu kümmern gilt.

Daher ist es für Unternehmen von großer Bedeutung, sich professionelle Hilfe zu holen. Eine Post Merger Integration ist keine Kleinigkeit – und als solche sollte sie auch nicht behandelt werden. Besser ist es, sich an einen Profi wie LUY zu wenden. Wir unterstützen Unternehmen, denen ein PMI-Prozess bevorsteht.

Als Spezialisten in Sachen Enterprise Architecture Management helfen wir Ihnen dabei, Ihre Geschäfts- und IT-Landschaften ganzheitlich zu steuern. Maßgeschneiderte Lösungen treffen auf kompetente Beratung – so wird die Post Merger Integration Ihres Unternehmens zum vollen Erfolg.

Fazit

Wenn sich zwei oder mehrere Unternehmen zusammenschließen, geht das mit vielfältigen Veränderungen einher. Mithilfe der Post Merger Integration werden einheitliche Prozesse und Strukturen geschaffen – sowohl in der Finanzabteilung als auch in der IT. Gerade wenn es um die Technologie geht, birgt die Post Merger Integration einige Hürden. Mit unseren Tipps und der Unterstützung mithilfe von Produkten von LUY wird der PMI-Prozess erfolgreich!

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